Pro Frauen*Referat – Stellungnahme

2008 hat der damalige AStA das FrauenLesbenTrans* Referat unter sehr unrühmlichen
Verhältnissen abgeschafft. Nun soll es eine Neugründung eines solchen Referates geben,
wofür sich einige Frauen* aktiv und mit viel Arbeit einsetzen. Aufgrund der fehlenden
oder vollkommen am Thema vorbei gehenden Argumentation des jetzigen AStA
gegen ein solches Referat scheint uns ein solches auch noch dringender nötig als
ohnehin schon, um die Reflexion über Frauen*-Unterdrückung, strukturelle
Benachteiligungen und Feminismus an der Uni Hamburg wieder aufleben zu lassen.

Wir, das teilautonome Queer Referat haben uns nie gegen diese Gründung aufgelehnt. Es
gab allerdings in den letzten Gremien-Sitzungen (d.h. StuPa und AStA) einige Vorfälle, die
es leider ermöglichten, dies so zu interpretieren. Seit einer längeren Zeit setzten sich die
drei teilautonomen Referate; Internationalismus-Referat/Ausländerreferat (jetzt Referat für
Internationale Studierende), Referat für behinderte und chronisch kranke Studierende, und
das Queer; dafür ein, in die Satzung des Studierendenparlaments aufgenommen zu werden.
In der Satzung zu stehen hat den enormen Vorteil, nicht noch einmal so etwas wie die
einfache Absetzung eines Referates durch eine AStA-Koalition, erleben zu müssen. Es
stimmt also insofern, dass die Referate damit auch kontinuierlich ihre Position und ihre
finanzielle Unterstützung gesichert haben.

Nun gab es zahlreiche Versuche, die teilautonomen Referate aus machtpolitischen
Interessen gegeneinander auszuspielen. So wurde die Drohkulisse aufgebaut, die Koalition
stimme komplett gegen die Satzungsänderung, wenn diese nun vier teilautonome Referate –
also auch das Frauen*Ref – enthielte. Auch eine evtl. Drohung, dass dann jeweils weniger
Finanzmittel für die einzelnen teilautonomen Referate zur Verfügung stünden, muss dem
AStA verantwortet werden und das darf und soll nicht zur Spaltung der
Solidaritätsstrukturen unter den teilautonomen Referaten führen. Unser Referent hat
sich in den Gremien für die Satzungsänderung mit drei teilautonomen Referaten stark
gemacht, was vermutlich als eine Stimme gegen das Frauen*Ref gedeutet wurde.

Die Satzungsänderung hat inzwischen stattgefunden und beinhaltet die drei oben genannten
Referate. Da bereits die Gründung eines Frauen*Referates behindert wurde ist dieses (noch)
nicht in der Satzung. Nachdem die Satzungsänderung der Verfassten Studierendenschaft
nun aber mit einer 2/3 Mehrheit des Studierendenparlaments beschlossen wurde, gibt es
jetzt den Vorteil, dass für die Eingliederung weiterer Referate in die Satzung nur noch eine
2/3 Mehrheit der anwesenden Parlamentarier*Innen benötigt wird. Hier sehen wir eine
deutliche Chance für die Gründung und Aufnahme eines Frauen*Referates. Und genau dafür
setzen wir uns auch ein! Wir setzen uns dafür ein, dass das Frauen*Referat gegründet wird,
weitere Sachmittel und (wieder) einen eigenen Raum bekommt. 1.000 Euro für Sachmittel
gibt es bereits für eine Frauen AG, die sich auf den Frauen*vollversammlungen gegründet
hat. Diese sind vom Haushalt her beim Queer-Referat angesiedelt, damit das Geld vom AStA
nicht für andere Sachen ausgegeben werden kann. Der Etat des Queer-Referats wurde daher
um genau diesen Betrag erhöht.
Um eine einseitige Fixierung auf ein (selbst teilautonomes) Referat zu vermeiden, liegt die
Verwaltung der Finanzen und die organisatorische Verantwortung der AG Frauen
vorübergehend bei einer weiblichen Projektkraft aus dem (ebenfalls teilautonomen) Referat
für Behinderte und chronisch Kranke Studierende.

Äußerungen, dass wir uns gegen ein Frauen*Referat positionieren würden, haben
uns alle sehr getroffen, weil das nie so war, nie so gedacht wurde und auch nicht
so sein soll! Wir halten im Gegenteil ein Frauen*Referat für dringend notwendig, um oben
genannten Tendenzen kritisch gegenüberzustehen, und helfen dabei auch mit den uns
möglichen Mitteln und Stimmen.

Es wird in Zukunft noch stärker darum gehen müssen, spalterische Versuche frühzeitig zu
bemerken und die Solidarität untereinander weiter zu stärken.

Bei Fragen stehen wir euch gerne zur Verfügung.

Euer Queer-Referat

10 Kommentare

  1. Sone Frage

    Wieso gibt es denn Frauenvollversammlungen? Wieso werden denn Männer explizit ausgeschlossen.
    Der Begriff „Voll“versammlung ist absolut fehl am Platz. Gerade dadurch wird die Solidarität der Studierendenschaft geschwächt!

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  2. queer (Beitrag Autor)

    1. ist es feige, anonym diese Frage zu stellen, vor Allem ohne sich selbst zu positionieren
    2. geht es in puncto Frauen*Referat primär um die Belange von Frauen*
    3. ist die Definition von ‚Frau‘ gendertechnisch auf den Frauenvollversammlungen tendenziell nicht spezifisch. Wieso lässt du dich dadurch abhalten, aktiv am Diskurs teilzunehmen?
    4. sollen Menschen, die sich als Frauen verstehen und für feministische und gleichstellende Politik kämpfen wollen, ihre Anliegen, Fragestellungen und Ziele erst einmal unter einander formulieren, bevor sie sich den immer noch in weiten Teilen männlich hegemonial und patriarchal dominierten hochschulpolitischen Strukturen öffnen.
    Ähnlich, wie sich weißdeutsche privileged white males nicht in Angelegenheiten des Referats für internationale Studierende und heteronormativ lebende Menschen sich nicht in unsere queeren Angelegenheiten einzumischen haben, so müssen ‚Männer‘ und solche, die es werden wollen, akzeptieren, dass Frauen ihre Angelegenheiten erst einmal selbst regeln, wenn es um ein teilautonomes Referat für Frauen* geht.

    Und: wenn du den Mut hast, dich persönlich in die Debatte einzubringen, steht dir jeden Freitag unser offener Brunch zur Verfügung, in dem wir uns gerne konstruktiv über die eine oder andere Position auseinandersetzen können.

    -dein Queer-Referat

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  3. Sone Frage

    meine position geht doch klar hervor:
    frauenreferat erfolgreich verhindern.
    weil es sich bei allen anderen referaten um minderheiten handelt,
    halte ich die gründung eines frauenreferates für redundant.
    frauen sind in dieser gesellschaft keine minderheit.
    dass eine gleichstellung zum mann in bestimmten gesellschaftlichen bereichen noch nicht stattgefunden hat, leugne ich nicht.
    die erfolge eines solchen referats würden aber sicherlich in keinem verhältnis zu den entstehenden kosten stehen. es ist mir nicht bekannt, dass weibliche studierende im studium grob benachteiligt sind. das gegenteil ist der fall. die professoren sind weitestgehend männlich und lassen sich von frauen eher belabern als von männern.
    ich hoffe, das ändert sich in der zukunft.

    meine beobachtung sagt mir, dass femisten nicht immer an der gleichstellung zum mann, sondern viel mehr an der unterdrückung des mannes interessiert sind (matriarchat).
    ich stütze mich auf eine erfahrung in der olga (potsdam). ich konnte mich gar nicht in die diskussion einbringen, da die bedienung mir bereits mein getränk als mann verweigerte.
    verallgemeinern möchte ich dieses erlebnis nicht auf alle feministen, aber eine entschuldigung habe ich bis heute nicht erhalten (verletzter stolz).
    es bleibt nur zu hoffen, dass der feminismus+queer eine modeerscheinung darstellt.
    ich glaube, dass es in diesen kreisen oft um macht bzw. machtmissbrauch geht.
    es geht dann gar nicht mehr darum, etwas gesellschaftlich zu verändern.
    sondern die, die am engagiertesten sind und viel theorie aufgesogen haben, „führen“.
    anders kann ich die vorfälle in hüll nicht interpretieren.
    ich will den machtmissbrauch einiger leute gar nicht verurteilen. alles hat seine ursache.
    aber es passt einfach nicht zu dem, was das queer-referat da schreibt (und dein name war noch gleich?).

    und wieso denn feige? meine meinung existiert und beleidigt niemanden.
    ich habe kein interesse daran, dass meine zeitlich punktuellen meinungen noch in 50 jahren im netz stehen. die gesellschaft unterliegt einem wandel und nicht jeder rafft, dass man seine meinung ja mal geändert haben könnte.

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  4. queer (Beitrag Autor)

    Hallo SoNe Frage,

    Wenn du nicht willst, dass jemand dir in Zukunft deine aktuelle Meinung zu ordnen kann, dann führe diese Diskussion doch nicht hier auf der Webseite. Zum Thema Positionierung: Wer bist du? Bist du männlich; cis-sexuell? Weiß? Deutscher?

    Frauen* sind zahlenmäßig nicht unterlegen an der Uni. Bei den Studierenden; bei der Anzahl der Personen, die einen Lehrstuhl inne haben, schaut dieses anders aus. Eine Minderheit zu sein ist jedoch keine Voraussetzung für Diskriminerung; und für solche Gruppen sind die Referate. Für Menschen, die von außen einer Gruppe zugeordnet werden und aufgrund dessen (vielfältige) Diskriminierungserfahrungen machen.
    Für eine gute Erläuterung, was Diskrimierung beinhaltet, kann ich dir sehr empfehlen, beim Braunen Mob e.V. etwas rumzulesen. Ein schönen Tipp, sich selbst als priveligiert und somit in der Lage zu Diskriminierung zu erkennen, habe ich aus dem Vortrag von Noah Sow: Du erkennst, ob du zu der mächtigen Gruppe gehörst, die diskriminieren kann, wenn du selber keinerlei Diskriminierung wahrnimmst.

    Macht und Machtmissbrauch wird von Menschen, die Diskriminierungserfahrungen machen mussten, natürlich auch thematisiert; womöglich, sehr wahrscheinlich auch im Frauen*Referat. Von daher vermutest du da richtig, wenn du sagst, dass es immer wieder um dieses Thema gehen wird. Aus vielen Gründen; zu denen auch die Verletzung durch die Diskriminierung hinzuzählen kann; ist es nötig und sinnvoll, Schutzräume einzurichten, die für eine bestimmte Gruppe sind (zum Beispiel für Menschen, die nicht CIS-Menschen sind). Und es geht hier auch darum, gesellschaftlich etwas zu verändern. Ein erster Schritt hierfür ist die Schaffung von Räumen (im übertragenen, aber auch im wortwörtlichen Sinne) für diskriminierte Personen, die von ihrer Umwelt einer ‚Gruppe‘ zugeordnet werden.
    Wenn es sich um einen Schutzraum handelt, gehören Personen die nicht der jeweiligen ‚Gruppe‘ zugeschrieben werden, dort nicht hin. Im Falle eines Frauen*Raumes wären dieses (je nach Definition immer oder zu bestimmten Zeiten) cis-Männer.

    Wenn es wirklich so ist, dass männliche Professoren, weiblichen Studierenden aufgrund ihres Frauseins Vorteile gewähren, wäre dieses sexistisch; auch den Frauen gegenüber. Diese können diese vermeintlichen Vorteile ja nur erlangen, wenn sie bereit sind ihr Frau-Sein dafür einzubringen. In diese entwürdigende Lage sollte keine Person gebracht werden.

    Es bleibt zu hoffen, dass queer und feminismus Bestand haben werden, bis sie nicht mehr benötigt werden.

    Dein Queer-Referat

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  5. SoneFrage

    hi, ja ich habe das glück, cis-maskulin und hetero, weiß und deutscher zu sein. insofern a priori keine irritationen.
    der braune mob. habe mich schon darüber aufgeregt, dass ihr vertreter von diesem verein eingeladen habt. ich wäre gerne dem verein beigetreten, leider dürfen aber nur schwarze mitglieder werden. übertragen auf die quote eines kleingartenvereins entspräche das einem prozentsatz von 0,0%. egal. also die schwarzen haben einen vortrag über diskriminierung gehalten?
    für themen wie beschneidungen der frauen, hutu-tutsi-konflikt und rape-aXe war dann keine zeit mehr, oder?
    ich frage mich, ob es schlau ist, fachidioten anstatt universalgelehrte einzuladen.
    ihr lauft damit gefahr, euch zu radikalisieren. damit entfernt ihr euch noch weiter von gesellschaftlichen ansichten und je weniger menschen sich eurer fanatischen ideologie anschließen, desto mehr schließt ihr gesellschaftliche veränderungen in diesem bereich aus.
    radikalität zeigt sich auch in deiner scheinbar eng formulierten definition von sexismus.
    man wird nichts daran ändern können, dass ein professor beim anblick eines frauenbusens „weich“ wird. ich weiß nicht, ob du ein hetero oder eine hetera bist, aber: vergiss es, der hetero-cis-mann wird sich nicht ändern. schlucke diese art von sexismus als eine art „sympathie“.
    so ähnlich, wie professoren die studenten bevorzugen, die spießig geschniegelt nach der vorlesung rum kommen, um noch einmal mit ein paar weisen fragen nachzuhaken.

    und noch einmal wegen der frauen: zunächst eine frage. wieso markierst du frauen mit einem stern*?
    sorry, ich bin nicht vom fach.

    also, dass frauen in deutschland SCHUTZRÄUME benötigen, zweifle ich stark an.
    nicht nur, weil ihre behandlung relativ gut ist -bezogen auf andere länder-, sondern auch absolut.
    für mich wäre die wiedereinführung des frauenreferates nur SHOW und a slap in the faces der anderen referate. denn die sind wirklich notwendig!

    Antworten
    1. queer (Beitrag Autor)

      Liebe*r SoneFrage,

      ich danke dir, dass du deinen Standpunkt so klar und unmissverständlich dargelegt hast. Bessere Argumente, als deine Kommentare kann es _für_ ein Frauen*Referat wohl kaum geben.
      Liebend gerne würde ich an dieser Stelle weiter argumentieren, deine Fehlschlüsse aufzeigen und versuchen, dich subersiv zur Reflexion zu ermutigen…

      Es ließe sich noch vieles sagen, liebe*r SoneFrage. Aber, darf ich offen sein? Ich halte dich für einen hoffnungslosen Fall. Unzugänglich für Argumente. Als Diskussionspartner schlichtweg ungeeignet.

      Und so lange Menschen mit deiner Meinung, Überzeugung und Auffassung sich in politische Diskussionen und Strukturen einbringen, ist es in einer freien Demokratie unverzichtbar, dass Institutionen wie ein teilautonomes Frauen*Referat dagegen Stellung beziehen (können). Um wenigstens nach außen hin euere Ignoranz und Unreflektiertheit anprangern zu können, die ihr nur allzugern als ‚liberal‘ und ‚gleichstellend‘ proklamieren wollt.

      Vielen Dank, dass du die Notwendigkeit eines teilautonomen Frauen*Referats für Alle so deutlich dargelegt hast.
      Ich bin gespannt, wie sich die nächste Frauen*Vollversammlung dazu verhalten wird.

      -dein Queer-Referat

      Antworten
  6. flo

    Ganz kurz mein Senf dazu:
    Don’t feed the trolls!

    Antworten
  7. SoneFrage

    nur weil dir offensichtlich die argumente ausgehen, bin ich noch lange kein schlechter diskussionspartner. deine nun pampige antwort führe ich ein wenig darauf zurück, dass ich mich hier als cis-mann geoutet habe. auch wenn ich als hetero zur mehrheit gehöre, wissen doch alle, dass sexualität keiner norm unterliegt. dennoch ist homophobie möglich. und heterophobie anscheinend auch.

    als mann hättest du an dieser stelle noch viel von mir lernen können.dass mit der technik beherrschen ja viele feministeninnen jetzt. war ja quasi auch pflicht beim gender-camp.
    problematisch wird es nur, wenn schon innerhalb eines so kleinen kreises schutzräume eingerichtet werden müssen und erklärbär*innen zwischen „schlau“ und „dumm“ vermitteln. ganz toll!
    das sollte reflektiert werden, damit der erklärbär nicht zum ABSCHIEBÄR wird und auch alle beim nächsten mal wieder dabei sind. nech?

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  8. flo
  9. heimlicher leser

    hallo,

    vielen dank für den klärenden text (auch wenn ich gestehen muss, dass ich die formalitäten von (teil-) autonomen referaten, deren eintragung in satzungen und weitere bürokratische dinge selten verstehe). und zu den kommentaren wollte ich noch kurz anmerken, dass ich es eigentlich ganz gut finde, auch auf solche kritik sachlich zu antworten und nicht gleich den stempel „troll“ aufzudrücken. ich denke nur, dass es sich bei „so ne frage“ um jemanden handelt, der offenbar viele dinge in einen topf wirft, denn hier geht es ja um eine mehr oder weniger uni-interne geschichte und eigentlich überhaupt nicht ums gender-camp. „pampig“ fand ich den abschliessenden kommentar des queer referats ganz und gar nicht, aber es scheinen einfach zwei vollkommen verschiedene positionen aufeinander zu treffen, so dass eine weitere diskussion (vor allem unter einem beitrag, der um etwas ganz anderes geht) wohl nicht sinnvoll ist.
    vielen dank jedenfalls für die stellungnahme und alles gute fürs neue jahr 🙂

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