Filmreihe „Queer Cinema“ im B-Movie

Hier ein Tipp für alle Queer Cineast_innen!

Ab April beginnt die Filmreihe „Queer Cinema“, die in Kooperation mit dem Seminar „(Film)Theorie, Geschichte und Ästhetik des Queer Cinema“ (MUK-A2) stattfindet. Von April bis Juli 2011 ist fast jeden Donnerstag ein Film aus der queeren Filmgeschichte zu bewundern. Mit Filmeinführungen.

Queer Cinema von April bis Juli 2011 im B-Movie

Queer Cinema
Was ist eigentlich Queer Cinema? Dieser Frage wird im Seminar „(Film-)Theorie, Geschichte und Ästhetik des Queer Cinema“ am Institut für Medien und Kommunikation der Universität Hamburg im Sommersemester 2011 nachgegangen. Dort beschäftigen wir uns mit Filmen, die auf vielfältige Weise die Brüche zwischen biologischem Geschlecht (sex), sozialem Geschlecht (gender) und Begehren thematisieren. Das Seminar spürt den historischen Repräsentationsformen solcher Brüche nach. Bei dieser Suche nach einer Kinogeschichte zwischen den Kategorien wird deutlich: Queer Cinema ist mehr als Filme, in denen Lesben, Schwule und Trans*leute vorkommen.
Die Filmreihe „Queer Cinema“ im B-Movie Kino begleitet das Seminar und entstammt dem Wunsch, die Reise durch die mehr als hundert Jahre alte Geschichte des queeren Films nicht nur im dunklen Keller der Uni Hamburg mit einigen Studierenden anzutreten. Gerade die alten Klassiker gehören auf die große Leinwand und in die Öffentlichkeit. Ich freue mich mit dem B-Movie von April bis Juli jeweils donnerstags insgesamt elf Meilensteine der queeren Filmgeschichte präsentieren zu können.
Wir laden alle Interessierten in Hamburg ein, mit uns gemeinsam die Filme zu sehen und zu diskutieren. Mitwirkende des Seminars führen jeweils in die Filme ein. Nach dem Film ist dann Zeit für weitere Gespräche in der Bar im Foyer des B-Movie.

APRIL
The Celluloid Closet
Dokumentation der Darstellung von Lesben und Schwulen im Film sowie Hollywoods Einfluss auf unser Verständnis von Geschlecht. Gespräche und Ausschnitte aus über 100 Filmen wurden zu einer Chronik von 1895 bis 1995 zusammengefügt. Eine analytisch scharfsinnige Reise, die versucht, das Kino nicht nur als Ort ausgeblendeter Sexualität anzuprangern, sondern darauf hinweist, wie sehr es die Realität reflektiert und zu einem maßgeblichen Teil auch bestimmt. Ein Film über die Doppelmoral der puritanischen Hollywood-Industrie und ein kluges Plädoyer für mehr Toleranz.
USA 1995, 102 Min., engl. OmU, Regie: Rob Epstein und Jeffrey Friedman. Interviews mit Susan Sarandon, Whoopi Goldberg, Tom Hanks, Gore Vidal
Do 07.04.11 um 19.30 Uhr, Einführung: Skadi Loist

Mädchen in Uniform
Deutschland, Anfang der 1920er Jahre. Die 14-jährige Manuela von Meinhardis leidet unter dem streng preußischen Drill im Mädcheninternat. Einziger Lichtblick ist die bei allen beliebte Lehrerin Fräulein von Bernburg. Als sich Manuela in die junge Frau verliebt und ihre Zuneigung nach einer Theaterführung offen ausspricht, löst sie einen Skandal aus, der bittere Konsequenzen zur Folge hat … Leontine Sagans feinfühlig inszeniertes Drama erregte weltweit großes Aufsehen und steht für die frühen Anfänge queerer Filmkultur in der Weimarer Republik.
Deutschland 1931, 83 Min., dt. OF, Regie: Leontine Sagan mit Dorothea Wieck, Hertha Thiele
Do 14.04.11 um 19.30 Uhr, Einführung: Katja Schumann

Der Zauberer von Oz
Ein Wirbelsturm entführt die junge Dorothy aus Kansas in das bunte Reich Oz auf der anderen Seite des Regensbogens. Nur der Zauberer Oz in der Smaragdstadt kann ihr helfen, wieder nach Hause zu finden. Sie begibt sich auf eine Reise voller Gefahren und Abenteuer, doch Dorothy findet schnell Freunde und Verbündete: eine Vogelscheuche, die sich Verstand wünscht, einen Mann aus Blech, der gern ein Herz hätte und einen furchtsamen Löwen, der unbedingt mutiger sein möchte. Der Song Over the Rainbow wurde zur Community-Hymne, Judy Garland zur Ikone.
USA 1939, 98 Min., engl. OmU, Regie: Victor Fleming mit Judy Garland, Frank Morgan
Do 21.04.11 um 19.30 Uhr, Einführung: Skadi Loist

Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation in der er lebt
Provinzler Daniel kommt nach Berlin und trifft Clemens. Sie erleben die große Liebe und kopieren die bürgerliche Ehe. Doch schnell endet das Glück. Am Beispiel eines 19-Jährigen schildert der Film die schwierige Suche nach homosexuellen Lebensweisen zwischen den Extremen der dauerhaften Quasiehe und ausschließlich flüchtigen sexuellen Kontakten. Praunheims Film sorgte 1972 für Aufsehen, als er kurz vor der geplanten ARD-Ausstrahlung abgesetzt wurde. Er gilt heute als Startpunkt der deutschen Schwulenbewegung.
BRD 1970,67 Min., dt. OF, Regie: Rosa von Praunheim mit Bernd Feuerheim, Berryt Bohlen, Ernst Kuchling, Dietmar Kracht, Steven Adamczewski
Do 28.04.11 um 19.30 Uhr, Einführung: Skadi Loist

MAI
In einem Jahr mit 13 Monden
Frankfurt am Main, Sommer 1978. Die Transsexuelle Elvira Weishaupt erinnert sich an ihr Leben: die Kindheit als Knabe im Kloster, die Arbeit als Schlachter, die Ehe mit der Tochter des Metzgermeisters und die Operation in Casablanca. lmmer auf der Suche nach Liebe. Die Gegenwart ist nicht weniger trostlos: Vom Liebhaber verlassen, von der Freundin verraten, von einem alten Freund abgewiesen, streift Elvira schlafwandlerisch durch ein albtraumhaftes Frankfurt und stirbt an gebrochenem Herzen. Einer der intimsten Fassbinder-Filme, der durch seine radikale Subjektivität aufrüttelt.
BRD 1978, 124 Min., dt. OF, Regie: Rainer Werner Fassbinder mit Volker Spengler, Ingrid Caven, Elisabeth Trissenaar, Eva Mattes
Do 05.05.11 um 19.30 Uhr, mit Einführung

The Living End
Filmkritiker Jon und Stricher Luke, beide HIV positiv, brechen zu einer Reise ohne Ziel auf, denn sie haben nichts zu verlieren. Eine Tour voller Leidenschaft und Gewalt, Liebe und Hass beginnt. Ihr Motto: „Fuck the world!“ Die männliche Antwort auf Thelma & Louise gilt als Meilenstein des schwulen Kinos und eine der leidenschaftlichsten Liebesgeschichten. Der Film ist ein wichtiger Vertreter des New Queer Cinema, einer Gruppe von Independentfilmen, die Ende der 1980er/Anfang der 90er Jahre mit Filmkonventionen brechend queere Kultur in einer homophoben Gesellschaft und in der Zeit britischen und amerikanischen Konservatismus thematisiert.
USA 1992, 87 Min., engl. OmU, Regie: Gregg Araki mit Mike Dytri, Craig Gilmore, Mark Finch
Do 12.05.11 um 19.30 Uhr, Eintritt frei I mit Einführung

High Art
Lucy Berliner, einst berühmte Fotografin, zog sich vor Jahren aus dem Kunstbetrieb zurück. In ihrem Apartment trifft sich die New Yorker Kunstszene. Partys und Drogen bringen den Kick, wo die Suche nach Liebe für Lebensmüde und Lebenshungrige meist unerfüllt bleibt. Als die junge, naive Nachbarin Syd auftaucht, kommt die Wende. Die ehrgeizige Fotoredakteurin ist fasziniert von der unberechenbaren Künstlerin und überredet Lucy, eine Titelstory zu entwerfen. Ein Drama über Leidenschaft, Kunst, Scheinwelten und Selbstfindung, das an Künstler wie Nan Goldin oder Larry Clark erinnert.
USA 1998, 101 Min., engl. OmU, Regie: Lisa Cholodenko mit Ally Sheedy, Radha Mitchell
Do 19.05.11 um 19.30 Uhr, mit Einführung

JUNI
The Watermelon Woman
Eine schöne afro-amerikanische Schauspielerin der 1930er Jahre wird im Abspann vieler Filme als „The Watermelon Woman“ aufgeführt. Die junge Filmemacherin Cheryl entdeckt sie bei ihrem Job in der Videothek und lässt sich zu ihrem ersten Dokumentarfilm inspirieren. Sie möchte das Geheimnis um die inzwischen vergessene Schauspielerin lüften. Mit Witz und jeder Menge fake Dokumaterial ist das Mockumentary ein Fest für Filminteressierte und erfreut mit einer der aufregendsten lesbischen Sexszenen der Filmgeschichte, die sogar im amerikanischen Kongress für Aufregung sorgte. Black Power meets New Queer Cinema!
USA 1996, 90 Min., engl. OmU, Regie: Cheryl Dunye mit Cheryl Dunye, Guin Turner
Do 02.06.11 um 19.30 Uhr, mit Einführung

Boys Don’t Cry
Saufen, Prügeln und Karaoke: Alltag für den White Trash in US-Amerikas MitteIwesten. In einem Provinznest taucht Brandon Teena auf. Die Leute sind bezaubert vom scheu lächelnden Fremden, der sie dasTräumen lehrt. Doch als das Geheimnis von „Prince Charming“·entdeckt wird, findet das Märchen ein brutales Ende. Regisseurin Kimberly Peirce gelingt das Kunststück, eine erschütternde transgender Biographie feinfühlig aufzufächern. Eine Suche nach Liebe, Zärtlichkeit, Geborgenheit – nach der eigenen Identität.
USA 1999, 118 Min., engl. OmU, Regie: Kimberly Peirce mit Hilary Swank, Chloe Sevigny, Peter Sarsgaard
Do 23.06.11 um 19.30 Uhr, mit Einführung

Shortbus
Wer im Shortbus zur Schule gefahren wurde, der war ein Außenseiter. Behindert, hochbegabt oder einfach anders. In New York ist der Shortbus ein Sex Club für die, die anders sind. Shortbus war in Cannes 2006 der Film, den man gesehen haben musste. Wegen der unverblümten Sexszenen. Zu zweit, zu dritt, homo- und heterosexuell, vaginal, anal und oral. Sex ist der Motor des Films, jedoch nicht sein Zentrum. Er enthüllt Intentionen, Sehnsüchte und Ängste der porträtierten Personen, die ihr Innerstes nach außen kehren. Subversiv und improvisiert, ein New-YorkFilm, ein Film über New Yorker, ein Film für alle, die sich nicht so einfach vereinnahmen lassen.
USA 2006, 101 Min., engl. OmU, Regie: John Cameron Mitchell mit Sook-Yin Lee, Lindsay Beamish, PJ DeBoy
Do 30.06.11 um 19.30 Uhr, mit Einführung

JULI
I’m Not There
Bob Dylan, schillernde Ikone des Folk, Rock und Pop, tritt hier gleich sechsfach in Erscheinung. Regisseur Todd Haynes verknüpft die Geschichten zu einem raffiniert verschachtelten, herrlich unkonventionellen Biopic und porträtiert Bob Dylan als faszinierend vielfältige Persönlichkeit, als charismatischen, widerspenstigen Star, der in keine Kategorie passt: glaubt man, ihn verstanden zu haben, ist er schon weitergezogen und längst ein Anderer. Ein Film, der die Frage nach queerer Identität virtuos behandelt.
USA 2007, 135 Min., engl. OmU, Regie: Todd Haynes mit Christian Bale, Cate Blanchett, Marcus Carl FrankIin, Richard Gere, Heath Ledger, Ben Winshaw, Charlotte Gainsbourg
Do 07.07.11 um 19.30 Uhr, mit Einführung

Das B-Movie ist das Lieblingskino auf St. Pauli. Ohne Werbung, im Hinterhof und in Stereo! Mit einer wunderbaren kleinen Bar im Foyer und Kinomacher_innen mit Herz und Leidenschaft. Zu finden in der Brigittenstraße 5. U-Bahn Feldstraße / S-Bahn Reeperbahn. Eintritt 3.50–6.00 € (Alles über 3.50 € ist eine Spende für das Kino.) www.b-movie.de

Die Filmreihe wird unterstützt vom Frauenförderfonds der Uni Hamburg.Queer_Cinema_Flyer_fin-1

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